21.02.2020
Artikel
Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 bis 2030
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Bevölkerungsprognosen sind ein planerisches Instrument mit einem
breiten Spektrum an Einsatzmöglichkeiten für vorausschauendes Handeln im Hinblick auf die Entwicklung einer Bevölkerung. Dabei geht es
nicht nur um die Zahl der Gesamtbevölkerung, sondern auch darum, wie
sich die Zahlen der Kinder und Jugendlichen, der Personen im erwerbsfähigen Alter sowie der Seniorinnen und Senioren entwickeln. Eine
Bevölkerungsprognose kann und soll hier Antworten geben. In Berlin
wird eine Bevölkerungsprognose entsprechend eines Senatsbeschlusses
von der für Stadtentwicklung zuständigen Senatsverwaltung berechnet.
Im folgenden Beitrag werden Ergebnisse der Bevölkerungsprognose für
Berlin und die Bezirke 2015 bis 2030 beschrieben.
Die Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2015 bis 2030 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zeigt zum nunmehr sechsten Mal die zu erwartenden Veränderungen in der Anzahl und im Altersaufbau der Berliner Bevölkerung auf. Die Prognose weist Ergebnisse auf Ebene der Gesamtstadt und der Bezirke als Grundlage für gesamtstädtische Politik- und Handlungsfelder sowie auf Ebene der 60 Prognoseräume als kleinräumige Einheit der Lebensweltlich orientierten Räume (LOR) und als Grundlage für Fachplanungen, wie soziale Infrastrukturen aus.
Die einzelnen Komponenten der Berechnung sind Geburten, Sterbefälle sowie Zu- und Fortzüge. Entsprechend dem Standardverfahren der Bevölkerungsfortschreibung werden diese basierend auf dem zu einem Stichtag vorhandenen Einwohnerbestand gegliedert – hier nach 100 Altersjahren und Geschlecht – und durch Addition der Geburten und Zuzüge sowie Subtraktion der Fortzüge und Sterbefälle in die Zukunft fortgeschrieben.
Die Prognose wurde in drei Varianten vorgelegt. Diese orientieren sich an möglichen Szenarien zu den künftigen politischen, wirtschaftlichen und weiteren Rahmenbedingungen Berlins, wie Attraktivität und Image als Arbeits- und Lebensort oder Entwicklung des Berliner Wohnungsmarktes sowie den absehbaren demografischen Ent-wicklungen in den Herkunftsregionen der Zuwandernden, die das Wanderungsgeschehen beeinflussen.
Allen drei berechneten Varianten ist gemein, dass sich der prognostizierte Bevölkerungsanstieg im Zeitverlauf abschwächt. Während in der mittleren und oberen Variante das prognostizierte Wachstum bis zum Jahr 2030 anhält, markiert das Jahr 2026 in der unteren Variante eine Trendwende. Ab diesem Jahr sind die Einwohnerzahlen wieder leicht rückläufig. In der oberen Variante nimmt die Zahl der Personen auch zum Ende des Prognose-zeitraums noch deutlich zu, in der mittleren Variante fällt das Wachstum in den letzten Jahren des Prognose-zeitraums dagegen nur noch sehr gering aus. Die Entwicklung von Zahl und Struktur der Einwohner wird in den Bezirken unterschiedlich verlaufen. In allen Bezirken steigt die Einwohnerzahl, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Der größte Zuwachs bis 2030 wird für den Bezirk Pankow mit +16 % erwartet. Hinter den Gesamt-ergebnissen für die Bezirke können differenzierte und zum Teil gegenläufige Entwicklungstendenzen in den einzelnen Stadtteilen auftreten.
So zeigen sich im am stärksten wachsenden Bezirk Pankow erhebliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Prognoseräumen . Die zentrumsnahen Räume nördlicher und südlicher Prenzlauer Berg gewinnen bis 2030 zwischen 5 % und 10 % Einwohner, während der stadtrandnahe Prognoseraum Buch einen Bevölkerungsgewinn von rund 30 % verzeichnen wird. Dieses hohe relative Wachstum resultiert aus dem in größerem Umfang geplanten Wohnungsneubau im Prognoseraum Buch. Dazu kommt, dass die Bevölkerungszahl in Buch eher unterdurch- schnittlich ist, was bei steigenden Bevölkerungszahlen auch ein hohes relatives Wachstum zur Folge hat.
Unabhängig von den beispielhaft beschriebenen räumlichen Disparitäten im Bezirk Pankow gilt für alle Prognose- räume, dass das prognostizierte Wachstum auch mit dem jeweils geplanten Wohnungsneubau in Verbindung steht. Gebiete mit Wohnungsbau in größerem Umfang haben durch zusätzliche Wohnraumkapazitäten auch ein größeres Potenzial für steigende Einwohnerzahlen.
Abgesehen von der Entwicklung der Bevölkerungszahl, setzt sich der Alterungsprozess der Berliner Bevölkerung fort. Das Durchschnittsalter der Berliner erhöht sich im Prognosezeitraum von 42,9 Jahren
auf 44,3 Jahre. Entsprechend der mittleren prognostizierten Variante wird der Anteil der Bevölkerung
jünger als 45 Jahre von 53 % im Jahr 2014 auf 52 % im
Jahr 2030 sinken. Die Zahl der Kinder
und Jugendlichen im Alter unter 18 Jahren erhöht
sich im Prognosezeitraum um etwa 84 000 Personen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von
15 % auf gut 16 %. Die absolute Anzahl der erwerbsfähigen Bevölkerung in der Altersgruppe von 18 bis
unter 65 Jahren erhöht sich um etwa 21 000 Personen. Bei einer insgesamt steigenden Einwohnerzahl
geht ihr Anteil allerdings von 66 % auf knapp 62 % im Jahr 2030 zurück. Innerhalb dieser Altersklasse
kommt es zu keiner grundsätzlichen Verschiebung
in der Altersstruktur. Die Zahl der älteren Personen (ab 65 Jahre) wird bis zum Jahr 2030
um knapp ein Viertel auf etwa 844 000 Menschen
zunehmen (2014: 683 000 Personen). Dann wird ihr
Anteil von gegenwärtig
19 % auf circa 22 % gestiegen sein. Besonders hoch wird der Anstieg bei den
Personen im Alter von 80 und mehr Jahren ausfallen.
Ihre Zahl erhöht sich um fast 62 % von rund 162 000
auf 263 000 Personen
(von 4,6 % auf 7,0 % der
Gesamtbevölkerung).
von Jörn Ehlert
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin